Ich sage wieder öfter zu. Und manchmal bleibe ich sogar länger
Warum Gemeinschaft eine gute Sache ist.
Wie schnell sich das einschleichen kann und dann zur Gewohnheit wird: Man sagt immer mehr Einladungen ab. Nicht aus Desinteresse, sondern aus einer diffusen Befürchtung heraus. Wird es zu anstrengend? Bin ich ausreichend in Form? Halte ich durch? Und irgendwann hat man eine ganze Sammlung von Ausreden parat, die allesamt ziemlich vernünftig klingen. Der Körper braucht Ruhe. Man muss auf sich achten. Mit seinen Kräften haushalten.
Morgen ist auch noch ein Tag. Das ist so gesehen zwar verständlich, birgt aber auch eine gewisse Gefahr, weil der Kreis derer, die den Kontakt zu einem suchen, zusehends kleiner und kleiner wird. Nicht weil sie nicht wollten, sondern weil man so oft Nein gesagt hat, dass sie irgendwann meinen, man habe kein Interesse an ihrer Gegenwart mehr. Natürlich ist das ein Missverständnis, aber das Ergebnis kann trotzdem fatal sein: Einerseits will man seine Kräfte schonen oder traut sich auch einfach nicht, andererseits liegt gerade im Austausch mit anderen Menschen eine geradezu urgewaltige emotionale und soziale Energiequelle. Das Paradoxe an dieser Situation ist dann, dass man seine Kräfte schonen wollte und sich dadurch von einer unserer größten Kraftquellen überhaupt – der Gemeinschaft – fernhält.
Aber vielleicht stehen wir uns manchmal einfach nur selber im Weg. Vielleicht kostet ein Treffen mit Freunden gar nicht so viel Energie wie wir befürchten – sondern gibt uns sogar welche zurück. Verständnis, Respekt, Zuneigung, eine vertraute Stimme, jemand, der zuhört: Es kann sich lohnen, sich einen Ruck zu geben, das Wagnis einer Verabredung einzugehen und seine Batterien wieder ein bisschen stärker aufzuladen. Natürlich gibt es Tage, an denen es wirklich nicht geht. Aber es lohnt sich garantiert, genau hinzusehen, was mich gerade abhält: Ist es tatsächlich die fehlende Kraft – oder eher die Furcht davor? Wir Menschen brauchen uns Menschen, und gemeinsam verbrachte Zeit ist unter dem Strich garantiert ein bisschen Mut und Aufwand wert. Und außerdem: Was soll schon passieren? Wir sind doch unter Freunden.