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“Sexualität und HAE: Warum darüber sprechen hilft”

HAE & Sex
Prof Wedi HAE
Interview Prof. Wedi: Sexualitaet

Sexualität gehört zum Leben. Trotzdem wird gerade darüber oft zu wenig gesprochen, besonders wenn eine chronische Erkrankung mit im Raum steht. Prof. Wedi sagt: Auch mit HAE ist sexuelle Nähe möglich. Entscheidend ist, den eigenen Körper ernst zu nehmen, ohne sich von der Erkrankung bestimmen zu lassen.

„Offen mit dem Thema Sex und HAE umgehen.“

Prof. Wedi
Wedi

Viele Menschen sind vor dem ersten Mal nervös. Kommt bei HAE noch eine zusätzliche Sorge dazu?

Prof. Wedi: Vor dem ersten Mal ist wahrscheinlich niemand vollkommen entspannt. Mit HAE kann natürlich die Frage dazukommen: Was, wenn eine Attacke passiert? Aber grundsätzlich gilt: Man kann mit HAE genauso Sexualität leben wie ohne HAE. Wichtig ist, das zu tun, womit man sich wohlfühlt, und den eigenen Körper gut zu kennen.

Muss man mit der Partnerin oder dem Partner darüber sprechen?

Wenn es passt, ist das sehr hilfreich. Offenheit nimmt oft Druck aus der Situation. Man muss Sexualität nicht komplett durchplanen, aber es hilft zu wissen: Was brauche ich, damit ich mich sicher fühle? Habe ich meine Notfallmedikamente dabei? Weiß ich, was ich tun kann, falls Beschwerden auftreten? Eine gut wirksame Langzeitprophylaxe kann das Risiko deutlich senken.

Kann sexuelle Aktivität eine Attacke auslösen?

Es kann passieren, ist aber selten. Und wichtig ist: Wenn Beschwerden auftreten, dann häufig nicht während des Geschlechtsverkehrs selbst, sondern eher später, zum Beispiel am nächsten oder übernächsten Tag. Dann behandelt man die Attacke so, wie man andere HAE-Attacken auch behandeln würde.

Wedi

Gilt das Thema nur für junge Menschen?

Nein, sexuelle Gesundheit ist in jedem Alter wichtig. Auch ältere Patientinnen und Patienten können ein neues erstes Mal erleben, etwa mit einer neuen Partnerin oder einem neuen Partner. Fragen, Unsicherheiten oder Wünsche können in jeder Lebensphase auftauchen. Deshalb sollte man sie auch in jeder Lebensphase ansprechen dürfen.

Wedi

Was hilft, den eigenen Körper besser einzuschätzen?

Es ist wichtig, sich selbst und den eigenen Körper gut zu kennen. Viele Patientinnen und Patienten haben über Jahre Erfahrungen mit HAE gemacht und wissen, in welchen Situationen Beschwerden auftreten können. Wenn zum Beispiel bei Masturbation bisher keine Attacken aufgetreten sind, kann das ein Hinweis sein, dass auch andere sexuelle Aktivität nicht automatisch zu Beschwerden führen muss.

Und wenn das Thema verunsichert?

Dann sollte man es ansprechen. Sexualität muss man nicht erleiden, vermeiden oder verschweigen. Auch Hausärztinnen, Hausärzte oder andere Behandelnde können Ansprechpersonen sein, wenn Medikamente, Beschwerden oder Unsicherheiten die sexuelle Aktivität beeinflussen. Sehr oft gibt es Möglichkeiten, damit umzugehen.

„Hormone sind kein Grund zur Angst, aber ein Grund für gute Planung. “

Prof. Wedi