Keine Reiseform, sondern ein Lebensgefühl
Urlaub in Club, Hotel oder Ferienwohnung? Individualtourismus oder Pauschalreise? Jede Form des Reisens hat ihren Reiz. Nur Camping ist anders.
Wer einmal mit dem ersten Kaffee in der Hand den Sonnenaufgang am Meer erlebt hat, versteht es sofort: Nirgendwo schmeckt und duftet der Morgen so gut, und nirgendwo fühlt sich das Leben so intensiv an. Du entscheidest, wo es hingeht, wie lange du bleibst und was du als nächstes entdecken möchtest.
Was Camping bedeutet – und was nicht
Camping bedeutet vor allem Freiheit – keine Frage. Und trotz Naturnähe muss man dank moderner Ausrüstung und top ausgestatteter Campingplätze heute nicht mehr auf Komfort verzichten. Camping steht für Lässigkeit, Ungezwungenheit, Spontaneität und – je nach Gusto – für Geselligkeit oder selbst gewählte Einsamkeit. Wobei das mit der Spontaneität so eine Sache ist. Denn wer in der Hochsaison verreisen will, sollte seinen Stell- oder Zeltplatz besser vorab buchen. Camping boomt noch immer ungebrochen: Allein Deutschland zählte 2025 knapp 45 Millionen Camping-Übernachtungen. Aber auch sonst will ein Campingurlaub gut organisiert sein. Und da endet die Freiheit, zumindest ein wenig.
Besorgen, versorgen, entsorgen
Was Camping nämlich noch von allen anderen Urlaubsformen unterscheidet: Man muss sich selbst darum kümmern, seine Grundversorgung zu sichern: Lebensmittel, Wasser und Strom bzw. Gas. Das gilt auch für die Entsorgung, sprich: Müll und Abwasser. Campen macht also auch Arbeit und hat durchaus eine Lernkurve. Nicht alles klappt von Anfang an. Wenn einem das nichts ausmacht, ist das schon mal ein großes Plus. Dafür kann man sich aber auch auf Erlebnisse freuen, die kein anderer Urlaub bietet: Übernachten direkt an Meer oder See, eine völlig freie Tagesplanung und die Möglichkeit, in zwei Wochen mehr zu sehen und zu erleben als auf einer überteuerten Kreuzfahrt.
Erfahrene Camper wissen, was sie bei dieser besonderen Reiseform erwartet. Potenzielle Einsteiger oder allenfalls Rock-am-Ring-Erprobte überlegen jetzt vielleicht gerade, ob Camping eine Option für sie sein kann. Wir geben eine Entscheidungshilfe mit einem kleinen Selbsttest.
Jupp (36), campt am liebsten mit Freunden„Abends grillen wir zusammen und prosten uns zu, morgens machen wir gemeinsam Frühstück. Dann trinke ich in aller Ruhe meinen Kaffee, schaue in die Natur und denke an nichts.“
Übernachten mitten in der Natur
Camping heißt auch: gemeinsame Momente
REISEN MIT HAE - SOMMERAUSGABE
Selbsttest: Bist du zum Camping geboren?
Drei Setups für drei verschiedene Camper-Typen
Du hast unseren kleinen Selbsttest gemacht und festgestellt, dass du fürs Camping geboren bist? Dann stehst du jetzt vor der nächsten Frage: WIE campst du am besten? Im klassischen Zelt, mit Schlafsack, Wasserkanister und Gaskartuschenkocher? Oder im Wohnmobil mit Queensbett, Dusche und voll ausgestatteter Küche? Das hängt vor allem davon ab, wie oft und wie lange du campen möchtest und welches Budget dir zur Verfügung steht.
Das klassische Zelt – für Puristen und Gelegenheitscamper
Wer Camping in seiner ursprünglichsten Form erleben möchte, ist mit einem klassischen Zelt bestens beraten. Es ist vergleichsweise günstig, schnell angeschafft und passt in nahezu jeden Kofferraum. Besonders für alle, die nur gelegentlich campen oder erst einmal ausprobieren möchten, ob ihnen diese Urlaubsform überhaupt liegt, ist das Zelt ein idealer Einstieg. Dafür gehört ein wenig Outdoor-Feeling dazu: Geschlafen wird nah an der Natur, der Platz ist begrenzt und bei Kälte oder Regen rückt man auch mal etwas enger zusammen. Auch das Auf- und Abbauen will geübt sein. Dafür hält sich die Investition in Grenzen: Mit Zelt, Schlafsack, Isomatte und Basiszubehör lässt sich bereits für wenige Hundert Euro starten.
Das Dachzelt – flexibel und komfortabel
Dachzelte erfreuen sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Sie verbinden das Gefühl des klassischen Campings mit einem Plus an Komfort. Das Zelt bleibt dauerhaft auf dem Fahrzeug montiert und ist meist in wenigen Minuten aufgebaut. Geschlafen wird auf einer integrierten Matratze, erhöht über dem Boden. Wer gerne spontan unterwegs ist, häufig den Standort wechselt und trotzdem nicht auf eine bequeme Schlafmöglichkeit verzichten möchte, findet hier einen guten Kompromiss. Die Anschaffungskosten liegen mit etwa 800 bis 5.000 Euro – je nach Marke, Größe und Ausstattung – allerdings deutlich über denen eines klassischen Zelts. Am besten passt ein Dachzelt daher zu Menschen, für die Camping mehr als nur ein gelegentliches Abenteuer ist.
Van oder Wohnmobil – das mobile Zuhause
Für viele Camper ist es die Königsklasse des Reisens: ein eigenes kleines Zuhause auf Rädern. Ob kompakter Campingbus, ausgebauter Van oder voll ausgestattetes Wohnmobil – diese Variante bietet den größten Komfort und macht auch längere Reisen angenehm. Bett, Sitzbereich, Küche, Stauraum und oft sogar Bad und Toilette sind immer dabei. Gleichzeitig bleibt die Freiheit erhalten, jeden Morgen an einem anderen Ort aufzuwachen. Die Anschaffungskosten sind allerdings nicht zu unterschätzen: Je nach Größe und Ausstattung kosten Neufahrzeuge ab 40.000 Euro, mit Extras wie Markise, Fahrradträger oder Klimaanlage wird es nochmals teurer. Wer diese Investition tätigt, entscheidet sich meist nicht nur für eine Urlaubsform, sondern für einen Lebensstil.
Ob Zelt, Dachzelt, Van oder Wohnmobil – am Ende zählt nicht das Setup, sondern das Gefühl, draußen unterwegs zu sein, neue Orte zu entdecken und den Alltag für eine Weile hinter sich zu lassen. Camping beginnt nicht mit dem Fahrzeug, sondern mit der Lust auf Freiheit.
Jupp (36), liebt abgelegene Regionen„Früher war HAE meine größte Herausforderung, die Erkrankung bestimmte über Jahrzehnte meinen Alltag. Heute ist es allenfalls ein mangelhafter Navi-Empfang in abgelegenen Bergregionen.“